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PIO-Krimi oder wie eine Übung zur Schatzsuche wird

Die Übungsleitung hatte sich für diese Pioniers- (Strassenrettungs-) Übung etwas ganz Besonderes einfallen lassen und die Teilnehmer auf eine Schatzsuche geschickt. An drei Posten befand sich je ein stark demoliertes Auto. Die drei Gruppen starteten jeweils bei «ihrem» Auto mit der Aufgabe «Die verschlüsselte Beute». Nach dem Abschluss dieser Aufgabe, wechselten sie zum nächsten Fahrzeug und mussten dort mit den Vorarbeiten der vorherigen Gruppe die zweite Aufgabe «Das Patienten-Dilemma» bewältigen. Danach gab es wieder einen Wechsel zum nächsten Fahrzeug für die Schlussaufgabe «Die finale Barriere / Der Schatz». Wenn die vorherige Gruppe nicht sauber gearbeitet hatte, wurde es schwieriger oder es mussten zuerst noch Schritte der vorherigen Aufgabe abgeschlossen werden. Doch was genau war den überhaupt «passiert» und vor welchen Aufgaben standen die Gruppen?

Posten 1: «Die verschlüsselte Beute»
Einsatz-Status des Fahrzeuges: Das Fahrzeug ist beschädigt.
Übungs-Fokus: TÜREN ENTFERNEN
Story dazu:

«Kameraden willkommen bei eurem ersten Ermittlungserfolg! Ihr steht vor dem primären Fluchtfahrzeug der Täter. Die Polizei konnte die Flüchtigen im Wald sichten, aber sie haben hier im Auto eine unklare Ladung zurückgelassen. Alle Warnschilder wurden abgekratzt. Im Handschuhfach wurde jedoch ein Notizbuch mit mathematischen Hieroglyphen gesichert.

Euer erster Auftrag auf dieser Schatzsuche: Knackt den Code, um die ursprüngliche Gefahr zu erkennen. Erst wenn wir wissen, was die Täter geladen hatten, entscheiden wir über das taktische Vorgehen!»

Theorie-Aufgabe dazu:

  • Die Gefahrennummer (oben): Berechnet über den Satz des Pythagoras die obere Zahl (Wert a = 56cm, c= 65cm)
  • Die UN-Nummer (unten) Übersetzt das römische Frachtsiegel MCC in unser Zahlensystem und addiert die Anzahl der Ecken des eben berechneten geometrischen Objekts

Tragt die Nummern in die orangefarbene Warntafel ein und teilt dem Postenchef den Stoff mit.

  • Lösung: oben 33 / unten 1203 (Benzin)

«Code geknackt! Die Berechnung zeigt, dass die Täter ursprünglich Benzin transportiert haben. Eine erste Sichtkontrolle durch die Scheibe gibt jedoch Entwarnung: Die Behälter im Innern sind komplett leer, trocken und es besteht aktuell keine Gefahrgut-Gefahr. Wir können uns daher voll auf das mechanische Handwerk konzentrieren.

Um das Fahrzeug für die Spurensicherung komplett zugänglich zu machen, lautet euer Befehl: Schaffung einer Erst- und Versorgungsöffnung. Stabilisiert das Fahrzeug, betreibt sauberes Glasmanagement und entfernt mittels Spreizer und Schere die Fahrer- und Beifahrertüre sowie die B-Säule.»

  • Wechsel zum nächsten Fahrzeug

Posten 2: «Das Patienten-Dilemma»
Einsatz-Status des Fahrzeuges: Die Türen wurden bereits entfernt
Übungs-Fokus: DACH ENTFERNEN
Story dazu:

«Die Schatzsuche wird zur taktischen Rekonstruktion! Auf ihrer Flucht haben die Täter diesen unbeteiligten PW gerammt. Der verletzte Fahrer wurde zum Glück bereits vor unserem Eintreffen von Ersthelfern aus dem Wrack befreit und befindet sich im Spital.

Die Kantonspolizei benötigt nun unsere Amtshilfe: Für die Unfallanalyse und die Spurensicherung im Innenraum müssen wir das Fahrzeug so öffnen, als wäre der Patient noch schwer verletzt darin gefangen. Bevor die Rettungsschere angesetzt werden darf, müsst ihr dem Postenchef beweisen, dass ihr die Rettungsphilosophie für den Ernstfall im Schlaf beherrscht!»

Theorie-Aufgabe dazu:

  • Welche standardisierten Rettungsreihenfolge (Phasen) befolgen wir bei der Hilfeleistung?
    • Lösung: 1. Erkundung 360°/rundum, 2. Sicherung, 3. Stabilisierung, 4. Betreuungsöffnung, 5. Rettungsöffnung, 6. Rettung
  • Wer bestimmt an der Schadenstelle, wie schnell (Crash-Rettung vs. Schonende Rettung) ein Patient gerettet wird und wer bestimmt das Wie?
    • Lösung: Der Rettungsdienst (Sanität/Notarzt) bestimmt das Wann (Dringlichkeit), die Feuerwehr bestimmt das Wie (Technik/Geräte).

Erstellt einen Flipchart und beantwortet dem Postenchef gemeinsam diese zwei essenziellen Fragen.

«Die Theorie steht. Angenommen, die Sanität hätte eine schonende Rettung über die Achse gefordert, lautet euer praktischer Befehl: grosse Rettungsöffnung nach oben / Dachmanagement.

Legt die Säulenverkleidungen frei, um die Airbag-Gaspatronen zu lokalisieren und zu sichern. Setzt danach die Schnitte an den A-, B- und C-Säulen so, dass das Dach kontrolliert umgeklappt oder komplett abgenommen werden kann.»

  • Wechsel zum nächsten Fahrzeug

Posten 3: «Die finale Barriere» + «Der Schatz»
Einsatz-Status des Fahrzeuges: Türen und Dach sind bereits entfernt
Übungs-Fokus: RAUM SCHAFFEN (Rettungszylinder)
Story dazu:

«Ihr habt das Finale der Schatzsuche an diesem Fahrzeug erreicht! Die Insassen sind in Sicherheit, aber die Ermittlungen der Polizei laufen auf Hochtouren. Das Problem: Die Täter haben die geraubte Beute – einen wertvollen Schatz aus alten Münzen – tief im völlig deformierten Fussraum unter dem Armaturenbrett versteckt! Durch den heftigen Aufprall hat sich das Blech massiv verschoben und blockiert den Zugriff.

Das Fahrzeug steht instabil und im Innenraum wurden noch nicht ausgelöste Sicherheitssysteme gesichtet. Um gefahrlos im Fussraum arbeiten zu können, müsst ihr jetzt die goldenen Standard-Einsatzregeln aktivieren. Zeigt, dass ihr die Einsatzstelle absolut im Griff habt!»

Theorie-Aufgabe:

  • Die AUTO-Regel: Wofür stehen die Buchstaben beim Eintreffen am Unfallort?
    • Lösung: Austretende Betriebsstoffe, Unterboden und Motor- und Kofferraum erkunden, Tankdeckel öffnen, Oberflächen absuchen
  • Die AIRBAG-Regel: Welche Massnahmen müssen zum Eigenschutz zwingend eingehalten werden?
    • Lösung: Abstand halten (30-60-90 Regel), Innenraum erkunden, Rettungskräfte warnen, Batterie abklemmen (wenn nötig), Abnehmen der Innenverkleidung (Airbagscanning), Gefahr an den Airbag-Komponenten
  • Was gehört alles zu einer vorschriftsmässig gesicherten Einsatzstelle?
    • Lösung: Stabilisierung des PW gegen Eigenbewegung (Unterbaumaterial) und Erstellung des Brandschutzes. Hinweis: Genauer Beschrieb ist auf Seite 13 im Behelf gut Beschrieben. Die Tätigkeit ist ein «laufender Prozess».

«Sicherung steht, der Brandschutz ist bereit. Jetzt gilt es ernst: Befreiungsöffnung durch Raumschaffung. Setzt die notwendigen Entlastungsschnitte im Bereich der Radkästen und der vorderen A-Säulen-Basis. Setzt den Schwelleraufsatz und den hydraulischen Rettungszylinder an. Drückt den kompletten Vorderwagen koordiniert nach vorne weg.

Euer Sonderauftrag: Sobald der Fussraum weit genug aufgedrückt ist, sucht den Bereich akribisch ab und bergt die versteckten Münzen! Bewahrt sie gut auf – am Ende der Übung können diese Münzen bei der Übungsleitung direkt in kühle Getränke eingelöst werden!»

ENDE

Alle Gruppen waren erfolgreich und konnten die vermissten Münzen wieder finden und sich am Ende so ein kühles Getränk sichern. Es waren eine sehr abwechslungsreiche Übung und jeder konnte die verschiedenen Geräte ausprobieren oder Funktionen übernehmen. Die gegenseitige Unterstützung in den Gruppen und der Wissensaustausch waren sehr gross.

Danke der Übungsleitung für diese spannende Übung! 

Bericht: Sandra Baumgartner